Machtkampf – sonst nichts?

Angriff auf Waldjugendspiele aus jagdlichem Egoismus im Bürgerwald

In der Stadtratssitzung, Dienstag, 19.Mai 2026, des Bau- und Umweltausschusses der Stadt Eggenfelden, Landkreis Rottal-Inn, offenbarte sich in ernüchternder Weise ein überholtes Verständnis der Funktion des öffentlichen Waldes. Die Stadträtin Gärtner-Horak (FW), tritt dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Pfarrkirchen/Landau, mit einer von jenem gänzlich abweichenden Sicht der Dinge entgegen. Es geht um die Durchführung der diesjährigen Waldjugendspiele (WJS) 2026 im Bürgerwald der Stadt Eggenfelden. Dabei handelt es sich um einen ausgewiesenen Erholungswald, was bedeutet, dass dieser stets stark von Besuchern frequentiert wird. Gärtner-Horak ist dort Jägerin und „sorgt sich um das Wohl der dort freilebenden Tierwelt, insbesondere dem Rehwild“. Zur Erinnerung: auch im vergangenen Jahr (2025) trat Frau Gärtner-Horak den Planungen des AELF für die WJS im Bürgerwald entgegen. Bereits damals wurde vom Forstamt den Änderungswünschen soweit wie möglich Rechnung getragen und die Route geändert.

Die Waldjugendspiele ermöglichen Kindern einen unmittelbaren Zugang zum Wald und zur Natur durch eigenes Erleben und Erfahren. Wenn sie Baumrinden und Moos ertasten, Käfer und Baumwurzeln am Waldboden entdecken, erfahren sie mit allen Sinnen, wie aus einem Samenkorn ein großer Baum entsteht. Sie lernen, warum der Wald für die Artenvielfalt, das Klima, Bodenorganismen, Insekten, der Kerfe des Waldes und alle Säugetiere unverzichtbar ist.

Dies in Kombination mit Bewegung, Spaß und spielerischem Wettkampf an der frischen Luft. Das ist das Erfolgsrezept der Waldjugendspiele, nicht nur in Niederbayern. Kinder und Pädagogen wissen: Lernen beim Spielen direkt im „Lerngegenstand“ ist eine der schönsten und effektivsten Methoden um Wissen zu vermitteln. Die Bayerische Forstverwaltung ermöglicht diese Veranstaltung im Landkreis Rottal-Inn mit großem Engagement seit vielen Jahren erfolgreich.

Seit den bescheidenen Anfängen 1970, entwickelte sich die Bildungsveranstaltung für Schulkinder der dritten Klassen in Niederbayern und der Oberpfalz zu einer wahren Erfolgsgeschichte. Mittlerweile nehmen in den Regierungsbezirken jährlich weit mehr als 10.000 Schulkinder aus über 500 Schulklassen teil. Die Nachfrage ist riesig. Inzwischen nehmen auch regelmäßig Schulen aus Oberösterreich teil. In Passau und Regensburg werden integrative Waldjugendspiele für behinderte und nichtbehinderte Kinder angeboten.

Am AELF Pfarrkirchen besuchen ca. 300 Kinder täglich, an vier aufeinanderfolgenden Tagen, Mitte Juni, für 3-4 Stunden, zwischen 08:30-12:30, den Bürgerwald, dessen Eigentümer die Stadt Eggenfelden – also alle ansässigen Bürger – ist. Die Schulklassen begeben sich schulklassenweise gemeinsam mit ihren Lehrern auf Forst- und Wanderwegen auf einem sorgsam ausgewählten Rundparcours. Jede Klasse wird von einem Förster oder einer Försterin begleitet und seitens des die Schüler begleitenden Lehrpersonals wird auf Disziplin geachtet. Freies Toben, Schreien oder mutwillige Zerstörung der Natur, wird nicht geduldet.
Auf der Wanderung gibt es wichtige Informationen durch den „Forstpaten“ zum Wald, seiner Tierwelt und zur Forstwirtschaft. Zahlreiche Spiel- und Quizstationen warten entlang des Weges auf die Kinder. Hier gilt es zusammenzuhalten – das Motto: „Einer für alle und alle für einen!“ – um möglichst viele Punkte (in Form von „Goldnuggets“) zu sammeln. Beliebte Spiele sind das „Sterschlichten“, dass „Pfundsägen“ und der dazugehörige „Turmbau“, der „Zapfenzielwurf“, eine „Ratestaffel“ oder der „Wald der Sinne“. Ein spannendes Spiel, bei dem die Kinder verschiedene Gegenstände aus dem Wald ertasten, erkennen und zuordnen sollen. Spielerisch wird bei dieser letzten Station auch abgefragt, was die Kinder von dem vermittelten Wissen im Gedächtnis behalten haben. Mit strahlenden Augen erreichen die Kinder nach einer anstrengenden Wanderung nach drei bis vier Stunden das Ziel.

Das Problem! Das Problem!
Der unbefangene Leser fragt sich nun, wie aus dem geschilderten Konzept (Schulkinder wandern, von fachkundigem Personal begleitet, kontrolliert durch ein Naherholungsgebiet) ein Problem entstehen kann, welches über Monate den Stadtrat beschäftigt und Kapazitäten des AELF bindet.
Ausgangspunkt ist, soweit ersichtlich, die von der hier dargestellten Sichtweise abweichende Beurteilung der lokalen Jagdpächterin. Eigentlich sind alle glücklich, müssen sich aber mit dem von der Jagdpächterin angestoßenem „Problem“ befassen. Folglich dreht sich der ganze Artikel um dieses ominöse „Problem“. Nüchtern, ehrlich und insbesondere wildbiologisch betrachtet gibt es hier kein Problem, das zu lösen wäre.

Jagd bedeutet auch Schießen und Töten von Rehen, Hasen, Wildenten, Wildgänsen, Fasanen, Füchsen usw. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die wandernden Kinder diese Tätigkeit für die Jagdpächterin erschweren. Angeblich sterben Tierkinder wegen gut beaufsichtigt in einem Naherholungsgebiet spielender Kinder.

Interessant zu beobachten, wer dieser Sichtweise entgegentritt wird unverzüglich mit dem jagdlichen Opfernarrativ konfrontiert, wie in der Stadtratsitzung seitens der Freizeitjägerin zu erleben: „extrem unfair, Schwarzer Peter, es geht nur um den Tierschutz, es war doch nur ein Wunsch, kaum jemand kennt den Wald so gut wie ich. Die Rehe haben keine Freude, wenn Kinder im Wald spazieren gehen…“. Wie sie das herausfand bleibt ihr Geheimnis.

Fragt ein interessierter Teilnehmer nach, um wieviel tote Tiere es sich – ausgelöst durch die Waldjugendspiele – handelt, heißt es lapidar: „es sind Fälle bekannt“. Wem diese bekannt sein sollen oder was demjenigen bekannt sein soll, wird nicht gesagt. Ebenfalls interessant wäre hingegen die Information, wie viele Stück Fallwild im Revier der maßgeblichen Jagdpächterin jährlich überfahren werden. Auch hier bleibt sie die Antwort schuldig, um sofort mit dem aus dem allseits bekannten Spezialfach „Jägerlatein“ von „schlimmen Situationen“ fortzufahren, die natürlich nur sie beobachtet habe, etwa „dass Jungtiere verstoßen oder gar auf der Straße überfahren worden seien“.
Schüttelt bei derlei Geschichten einer der Teilnehmer etwas ungläubig den Kopf, kommt augenblicklich, „Unverschämtheit, ihr eine Lüge zu unterstellen“, um gleich wieder auf Schuldzuweisung umzuschalten: „1.200 zur Brut- Setz- und Aufzuchtzeit sich im Wald aufhaltende Kinder seien das Problem“. Dabei ist es keine Unterstellung einer Lüge, sondern nur der Hinweis, dass man auf der Grundlage von nicht belegten Behauptungen, keine seriöse, ernsthafte Diskussion führen kann.

Es muss klargestellt werden, dass der Tierschutz selbstverständlich höchsten Stellenwert genießt. Wenn aber keine Tatsachen für die Missachtung des Tierschutzes vorgebracht werden können, müssen andere Motive für das Bekämpfen der Waldjugendspiele ursächlich sein. Hierüber möchte der Autor nicht spekulieren. Hinzuweisen ist aber in diesem Kontext auf das freie Betretungsrecht der Natur für „Jedermann“, auch nichtjagende“ Bürger*innen.

Deshalb ist in diesem Kontext kritisch auf das im Artikel mit der Nummer PNP-Nr. 19 vom Mittwoch, 27.Mai 2026, beschriebene Geschehen: „Wald erleben mit allen Sinnen“ einzugehen.

Dort wird freudig ausgeführt: „Einen spannenden und lehrreichen Vormittag haben insgesamt 40 Kinder der Klassen 4a und 4d der Grundschule Eggenfelden bei der Erkundung des Waldes um den Feldweiher in Gern verbracht. Acht Jagdhornbläser der Kreisgruppe empfingen die Gruppe mit verschiedenen Signalen“. Es wird weiter berichtet: „Am sogenannten Lehrmobil erklärte Axel Kuttner zahlreiche Präparate von Haar- und Federwild. Besonders begeisterte die Kinder die Jagdhundevorführung. Dabei konnten die Schülerinnen und Schüler erleben, wie ein Jagdhund auch im Wasser arbeitet. Ein weiterer Jäger führte die Kinder durch den Wald“.

Vergleicht und analysiert man beide Artikel, könnten beim geneigten Leser durchaus gewisse Irritationen geweckt werden. Die Frage: Ja stört der Jagdhornlärm die Wildtiere zur Hauptbrut-, Setz- und Aufzuchtzeit im Lichtlberger Wald nicht? Wie ist es um das Jagdrecht bestellt, wenn ins Wasser springende Jagdhunde – Wasservögel während der Hauptbrut-, Setz- und Aufzuchtzeit – erheblich in ihrem Brutgeschäft stören? Wir sprechen hier u.a. von geschützten Arten auf oder rund um den Feldweiher wie: Zwergtaucher, Haubentaucher, Grünfüßiges Teichhuhn, zahlreiche Specht-, Kauz- oder Eulenarten, Pirol und vieles mehr. Auch jagdbares Federwild wie Blässhuhn, Stock- und Reiherenten, Graugänse usw. sind davon betroffen. Bemerkenswert, keiner der Beteiligten Jäger hat in diesem Eigenjagdrevier eine Jagderlaubnis.

Wirken sich die Waldführungen im Lichtlberger Wald durch einen Freizeitjäger mit Kindern – anstelle von pädagogisch geschultem, hauptberuflichem Mitarbeiter*in der Bayerischen Forstverwaltung – nicht negativ auf die dort lebende Tierwelt aus?
Offenbar scheinen Veranstaltungen, die wie hier durch die Kreisgruppe Eggenfelden im BJV organisiert werden, eine andere Auswirkung auf die Natur zu haben. Pikant zu wissen, dass die Stadträtin Gärtner-Horak im BJV Eggenfelden eine führende Rolle einnimmt. Dies wiederum öffnet den Raum für Spekulationen, ob nicht vielleicht doch andere Gründe – als der u.a. ins Feld geführte Tierschutzgedanke im Bürgerwald – Auslöser für diesen „Sturm im Wasserglas“ sind.

Der Stadtwald ist Eigentum der Stadt Eggenfelden, er gehört also allen Bürgern. Er ist zuallererst für die Bürger und „sogar für Kinder“ als Erholungsraum gedacht. Freizeitjäger als Jagdpächter haben lediglich für eine begrenzte Zeit das Jagdausübungsrecht von den Bürgern gepachtet.

Unsere Kinder haben wahrlich etwas Besseres verdient und sind jederzeit herzlich willkommen in Bayerns Wälder und Fluren.

Nikolaus A. Urban
Revierjagdmeister
Eggenfelden